Termine und Aktuelles

Übersicht:

 


Bericht zum 5. Symposium

 

Ein Tag für die „Arzt-Patienten

Kommunikation“

Kann es funktionieren, einen ganzen Tag ausschließlich der „Arzt-Patienten Kommunikation“ zu widmen? Der Vorstand

der Hessischen Krebsgesellschaft entschied sich für die Idee ihres Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Karl-Heinrich Link

und wagte das Experiment.

Das 5. Symposium „Gemeinsam gegen Krebs“ bot dann den rund 200 Teilnehmer/innen am 25. Oktober 2008 in den

Rhein-Main-Hallen Wiesbaden einen Tag lang Zeit und Raum für die Auseinandersetzung mit Fragen rund um den

thematischen Kreis medizinischer Wissenstransfer, Diagnoseübermittlung und Gesprächstechniken.

Dabei stand die Diskussion im Vordergrund, wie es Patient/innen bei der hochkomplexen modernen

Tumorbehandlung möglich gemacht werden kann, Nutzen und Belastung richtig einzuschätzen und über valide

Informationen sowie den Dialog mit den Behandlern zu einer persönlich richtigen Entscheidung zu gelangen.

Am Vormittag wurden in Kurzvorträgen zentrale Aspekte der Gesamtproblematik aus verschiedenen Blickwinkeln

referiert. Zu Wort kamen neben Ärzt/innen aus Klinik und Praxis auch Vertreter aus Pflege und Selbsthilfe. Der

Nachmittag war von der Diskussion in Arbeitsgruppen geprägt. Das Ziel, ein Forum für alle beim Thema Krebs

Beteiligten zu schaffen, ist durch die Teilnahme diverser medizinischer und therapeutischer Berufsgruppen,

Selbsthilfeverbände sowie Betroffener und Angehöriger erreicht worden. Im Verlauf des Tages waren dann Theorie

und Praxis nicht mehr voneinander zu trennen.

Dass es gelungen war, die Kommunikation untereinander anzuregen, zeigte sich am Nachmittag: Als sich nach den

Arbeitsgruppen und Blockseminaren die Teilnehmer/innen des 5. Symposiums zum Kaffee im Foyer der Rhein-Main-

Hallen wiedertrafen, wurde derart lebhaft weiterdiskutiert, dass die Organisatoren spontan die Pause verlängerten, um

nach den vielen Theorien über Kommunikation jetzt den direkten persönlichen Austausch nicht zu stören.

Mit der Aufteilung in Arbeitsgruppen war es offenbar wirklich möglich geworden, Referenten und Besucher, Behandler

und Behandelte, Betroffene und Professionelle miteinander ins Gespräch zu bringen und gemeinsam neue Ideen

zu entwickeln. Als besonders fruchtbar hat sich die enge Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen und Verbänden

erwiesen, die das Foyer auch in eine echte Infobörse verwandelten. Das Konzept der Veranstaltung sah darüber

hinaus vor, dass in den Arbeitsgruppen Vertreter der Selbsthilfe involviert sind. Damit waren beste Voraussetzungen

für intensive und sachkundige Diskussionen geschaffen.

 

Es gab nicht das eine herausragende Ergebnis des Symposiums, sondern diverse Ideen zur Verbesserung der

Informationswege und des gegenseitigen Verständnisses. Viele Teilnehmer/innen betonten anschließend,

dass sie insbesondere die Möglichkeit zur offenen Diskussion während der Veranstaltung geschätzt haben.

Es war die einhellige Meinung zu erkennen, dass das der Veranstaltung zugrundeliegende Konzept nachahmenswert

ist.

 

 

Gerne stellen wir Interessierten die
einzelnen Vorträge zur Verfügung
 

 

5. Symposium "Gemeinsam gegen Krebs"

Moderne Tumorbehandlung - Nutzen und Belastung:

Information - Dialog - Entscheidung

 

Samstag 25.Oktober 2008

10:00 bis 17:00 Uhr

Wiesbaden, Rhein-Main-Hallen

 

Zielgruppen:

Ärzte, Patienten, Selbsthilfegruppen, Angehörige,

psychosoziale Fachkräfte, Psychoonkologen, Pflegekräfte

 

 

 

10:00 Uhr Begrüßung und Einführung (K.-H. Link)

 

10:15 - 12:15

Teil I: Übersichtsreferate (Vorsitz: K. Schröter / U. Wagner)

 

10:15 Moderne Tumorbehandlung (C. Rödel)

10:30 Quellen zur Krebsinformation: Qualität und Transparenz

(U.-S. Albert)

10:45 Ängste und Informationsbedarf der Patient/innen (A. Waldmann)

11:00 Gegenseitige Erwartungshaltungen von Patient und Arzt

(E. Staib-Sebler)

11:15 Patientenbeteiligung an Entscheidungen/Shared Decision Making

(S. Beck)

11:30 Besondere Erwartungen an die Pflege (D. Wecht)

11:45 Der Hausarzt als vertrauter Berater von Patienten und Angehörigen: Anforderungen und Grenzen (V. Gersten)

12:00 Selbsthilfe: Erfahrene Dolmetscher zwischen Medizin und Betroffenen (G. Feick)

12:15 - 13:15 Mittagspause

13:15 - 14:45

Teil II: Arbeitsgruppen und Blockseminare mit Themen

Arbeitsgruppen

 

1. Gesprächstechniken (R. Engenhart-Cabillic / U. Seifart / E. Staib-Sebler)

2. Diagnose- und Therapiemitteilung. Punkte zum Patientengespräch
( K. Schröter / S. Siehl / U. Wagner )

3. Gemeinsame Entscheidungsfindung zwischen Arzt und Patient
(S. Beck / H. Schulte)

4. Komplementärmedizin: Hoffnung und Wirklichkeit
(O. Rick / A. Waldmann / J. Zelt

5. Psychoonkologie und Seelsorge (G. Blettner / H. Bohnenkamp / Ch. Wurbs)

6. Zentrale Rolle der Tumorzentren und Onkologischen Schwerpunkte bei Patienteninformation und Beratung
(L. Bergmann / E. Jäger / M. Middeke / H. Schindler / M. Wolf)

7. Medien: Informationsmöglichkeiten und - wege (A. Bork / S. Sahm / I. Salm-Boost)

Blockseminare

- Kommunikationsschulung für Patient/innen (G. Feick / G. Unterstenhöfer)

- Palliativmedizin - was ist das - wie geht das (N. Frickhofen / B.-O. Maier)

14:45 - 15:15 Kaffeepause

 

15:15 - 16:30

Teil III: Berichte der Arbeitsgruppen und Diskussion

(Vorsitz: A. Bork / G. Feick / K.-H. Link )

 

16:30 - 17:00

Teil IV: Zusammenfassung und Neue Aktivitäten der Hessischen Krebsgesellschaft (K.-H. Link)

 

Tagungsleiter: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Karl-Heinrich Link

Organisation: Dr. phil. Ursula Haupt

Referenten und Vorsitzende

PD Dr. med. Ute-Susann-Albert, Leiterin Brustzentrum Universitäts-Frauenklinik, Baldinger Straße, 35033 Marburg

Dr. med. Sabine Beck, Med. Fakultät Lehrbereich Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Freiburg, Elsässer Straße 2M, 79110 Freiburg

Prof. Dr. med. Lothar Bergmann, Sprecher des Tumorzentrums Frankfurt, Theodor Stern Kai 7, 60596 Frankfurt

Gabriele Anna Blettner, Supervision / Pflegedirektion, Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken Wiesbaden, DAPO/PSO, Ludwig-Erhart-Straße 100, 65199 Wiesbaden

Hannegret Bohnenkamp, Leiterin der Psychosozialen Krebsberatungsstelle Frankfurt der Hessischen Krebsgesellschaft, Töngesgasse 39, 60311 Frankfurt

Angelika Bork, Hessischer Rundfunk ,

Prof. Dr. med. Rita Engenhart-Cabillic, Direktorin Abt. Strahlentherapie Universitätsklinikum Gießen/Marburg, Baldinger Straße, 35033 Marburg

Günter Feick, Vorsitzender Bundesverband Prostatakrebsselbsthilfe

Prof. Dr. med. Norbert Frickhofen, Direktor Klinik Innere Medizin III, (Onkologie/Hämatologie/Palliativmedizin) Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken, Ludwig-Erhart-Straße 100, 65199 Wiesbaden

Dr. med. Veronika Gersten, Medizinisches Versorgungszentrum Darmstadt, Karlstraße 45, 64283 Darmstadt

Prof. Dr. med. Elke Jäger, Direktorin Klinik für Onkologie und Hämatologie am Krankenhaus Nordwest Frankfurt, Steinbacher Hohl 2-26, 60488 Frankfurt

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Karl-Heinrich Link, Direktor Chirurgisches Zentrum Asklepios Paulinen Klinik Wiesbaden, Vorstandsvorsitzender Hessische Krebsgesellschaft e.V., Geisenheimer Straße 10, 65197 Wiesbaden

 

Dr. med. Bernd Oliver Maier, Leiter d. Abt. Palliativmedizin Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken Wiesbaden, Ludwig-Erhart-Straße 100, 65199 Wiesbaden

Dr. med. Martin Middeke, Koordinator CCC Marburg, Baldinger Straße, 35033 Marburg

Prof. Dr. med. Oliver Rick, Chefarzt Reha-Klinik Reinhardshöhe Bad Wildungen, Quellenstraße 8-12, 34537 Bad Wildungen

Prof. Dr. med. Claus Rödel, Direktor Abt. Strahlentherapie, Universitätsklinikum Frankfurt, Theodor Stern Kai 7, 60596 Frankfurt

PD Dr. med. Stephan Sahm, Chefarzt Medizinische Klinik, Ketteler-Krankenhaus Offenbach, Lichtenplattenweg 85, 63071 Offenbach

Ingeborg Salm-Boost, Wiesbadener Kurier, Rhein-Main-Presse, Langgasse 21, 65183 Wiesbaden

Dr. med. Hubert Schindler, Leiter Landesvertretung Hessen VdAK/AEV , Walter-Kolb-Straße 9-11, 60594 Frankfurt

Klaus Schröter, Landesvorsitzender Hessen Deutsche ILCO e.V.

Hilde Schulte, Bundesvorsitzende Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.

Dr. med. Ulf Seifart, Chefarzt Reha-Klinik Sonnenblick , Amöneburger Straße 1, 35043 Marburg

Dr. med. Siegfried Siehl, Onkologische Schwerpunktpraxis, Jordanstraße 6, 34117 Kassel

Dr. med. Elsbeth Staib-Sebler, Ketteler Krankenhaus Offenbach und Psychoonkologische Praxis Frankfurt, Lichtenplattenweg 85, 63071 Offenbach

Prof. Dr. med. Uwe Wagner, Direktor Universitäts-Frauenklinik Marburg, Baldinger Straße, 35033 Marburg

Anita Waldmann, Ehrenvorsitzende Deutsche Leukämie- und Lymphomhilfe

Daniel Wecht, Leiter Weiterbildungsstätte für Fachpflegepersonal in der Onkologie Universitätsklinikum Marburg, Baldinger Straße, 35033 Marburg

Prof. Dr. med. Martin Wolf, Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie Klinikum Kassel

Pfarrer Christoph Wurbs, Kath. Klinikseelsorge Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken Wiesbaden, Ludwig-Erhart-Straße 100, 65199 Wiesbaden

Dr. med. Joachim Zelt, Arzt für Innere Medizin, Arzt f. Psysikal. u. Reha Medizin, Chefarzt Rehaklinik Göttmann i.R., Sekretär der Hessischen Krebsgesellschaft e.V.

 

 


5. Informations- und Fortbildungsveranstaltung für Mitarbeiter/innen von Sozialdiensten

"Aktuelle Aspekte onkologischer Rehabilitation"

Freitag, 05. September 2008

10.00 - 15.00 Uhr

Rehabilitationszentrum

Bad Nauheim Klinik Taunus

Programm

10.00

Einführung: Lt. OÄ Dr. med. Gertraud Gallhofer, Prof. Dr. med. Thomas Wendt, LA

10.10

Begrüßung: Dr. phil. Ursula Haupt, Hessische Krebsgesellschaft e.V.

10.15

Sekundäre Lymphödeme und Ihre Versorgung, OÄ Dr. med. Bettina Hauchler-Dill

10.30

Körperakzeptanz nach Mammakarzi-nom - was leistet die Rehabilitation? OÄ Dr. med. Gertraud Gallhofer

10.45

Wenn die Helfer zu Patienten werden - Kann man dem Burn-Out vorbeugen? Dipl.Psych. Stefan Zettl, Uni Heidelberg

11.30

Ressourcenorientierung in der Psycho-Onkologie Dipl. Psych. Olaf Kröger

11.45

Soziale Aspekte in der Onkologie, Judith Baner, Brigitte Boyken

12.15

Neues beim Lungenkarzinom , Dr. med. Ulf Seifart, DRV Hessen Marburg

12.30 Mittagspause

13.30

"Reha-Informations-Center: Unser Service für die Versicherten"

Christiane Rossa, DRV-Bund Berlin

"Information zur medizinischen Rehabilitation in der gesetzlichen Rentenversicherung"

Marina Herzog, DRV-Bund Berlin

für alle Fragen zum Themenkomplex steht zur Verfügung: Gudrun Fleckenstein, DRV-Hessen

14.30 Diskussion

 

 

 


Dokumentation

4. Symposium "Gemeinsam gegen Krebs"

Zukünftige Versorgungsqualität von Krebskranken"

am 18. November 2006 in Frankfurt

(Mit Links unterlegte Programmpunkte führen direkt zu einer entsprechenden Kurzzusammenfassung. Die Dokumentation wird ständig weiter vervollständigt)

 

Übersichtsartikel

 

Vorträge

Mindestmengen in der Diskussion - Ist Quantität gleich Qualität?
Dr. H. Wetzel

Was ist und leistet ein Comprehensive Cancer Center (CCC)?
Prof. Dr. U. Wagner

Alles unter einem Dach - wenn Spezialis-ten zusammen arbeiten. Konzept eines onkologisches Schwerpunktkrankenhauses
Prof. Dr. M. Wolf

Onkologische Schwerpunktpraxis - Welchen Nutzen kann ich als Patient erwarten?
Prof. Dr. H. Tesch

Welche Versorgungsstruktur ist aus Sicht der Patient/innen wünschenswert?
H. Schulte

 

Konzepte und Erwartungen Arbeitsgruppen

Brustzentrum
Prof. Dr. M. Kaufmann / PD. Dr. U.-S. Albert

Prostatazentrum
Prof. Dr. W. Weidner / G. Feick

Darmzentrum
Prof. Dr. K.-H. Link / U. Ohler

Lungenzentrum
Prof. Dr. E. Jäger / PD Dr. J. Schirren

Krankheitsverarbeitung innerhalb der Familie
Dr. E. Staib-Sebler / Dipl.-Psych. B. Senf

 

Podiumsdiskussion:

Was ist für die Versorgung von Krebskran-ken unverzichtbar, was verzichtbar?

Prof. Dr. M. Kaufmann, Prof. Dr. K.-H. Link, Dr. H. Schindler, PD Dr. J. Schirren, H. Schulte,
Dr. E. Staib-Sebler, Prof. Dr. H. Tesch, Prof. Dr. U. Wagner, Prof. Dr. W. Weidner,
Prof. Dr. M. Wolf - Moderation: Dr. Klaus-Peter Schalk

 

Vorsitzende, Arbeitsgruppenleiter, Referenten

PD Dr. Ute-Susann Albert, Universitätsfrauenklinik Marburg

Prof. Dr. Rita Engenhart-Cabillic, Universitäts-klinikum Marburg/Gießen, Abt. Strahlentherapie

Günther Feick, Bundesverband Prostatakrebs-Selbsthilfe

Prof. Dr. Elke Jäger, Krankenhaus Nordwest Frankfurt

Prof. Dr. Manfred Kaufmann, Universitätsfrauenklinik Frankfurt

Prof. Dr. Karl-Heinrich Link, Asklepios Paulinen Klinik Wiesbaden

Uwe Ohler, Deutsche ILCO

Dr. Klaus-Peter Schalk, St. Vincenz KH Limburg,Vorstandsvorsitzender Hess. Krebsgesellschaft

Dr. Hubert Schindler, Verbände der Krankenkassen in Hessen

PD Dr. Joachim Schirren, Dr. Horst Schmidt Klinik Wiesbaden

Hilde Schulte, Frauenselbsthilfe nach Krebs

Dipl.-Psych. Bianca Senf, Markus-Krankenhaus Frankfurt

Dr. Siegfried Siehl, Onkologische Schwerpunktpraxis Kassel

Dr. Elsbeth Staib-Sebler, Ketteler Krankenhaus Offenbach

Prof. Dr. Hans Tesch, Onkologische Schwerpunktpraxis Frankfurt

Prof. Dr. med. Uwe Wagner, Universitätsfrauenklinik Marburg, Stellvertretender Direktor CCC

Prof. Dr. Wolfgang Weidner, Urologische Universitätsklinik Gießen

Dr. Hermann Wetzel, Bundesärztekammer Berlin

Prof. Dr. Martin Wolf, Klinikum Kassel

 

 

Übersichtsartikel

 Zukünftige Versorgungsqualität von Krebskranken

4. Symposium "Gemeinsam gegen Krebs" der Hessischen Krebsgesellschaft

 

Der Veranstaltung am 18. November 2006 in Frankfurt lag als konzeptueller Grundgedanke die Fragestellung des Arbeitstitels "Zentrale Versorgung von Tumorpatien/innen in großen Zentren versus Wohnortnähe" bei hoher Qualität. Damit stellte sich die Hessische Krebsgesellschaft der Diskussion um die Veränderungen der Versorgungsstrukturen. Eingeladen waren wiederum Krebskranke, Angehörige von Betroffenen, Ärzte, Psychologen, Politiker, kurz alle Beteiligten und Interessierten.

Das Ziel, die unterschiedlichen Elemente der derzeitigen Versorgung darzustellen und die jeweiligen Vor- und Nachteile zu diskutieren, wurde durch Vorträge, Arbeitsgruppen und eine abschließende Podiumsdiskussion erreicht. Im einleitenden Referat setzte sich Dr. Hermann Wetzel von der Bundesärztekammer kritisch mit der Frage auseinander, ob eine Festlegung von Mindestmengen eine Garantie für höhere Qualität ist, bzw ob die Höhe der Fallzahlen eines einzelnen Behandlers kongruent zur Höhe der Ergebnisqualität ist. Dies könne so pauschal nicht gesagt werden. Es gäbe auch Bereiche, wo keinerlei Beziehung nachweisbar sei, und Beispiele dafür, dass die Ergebnisqualität ab einer bestimmten Fallzahl wieder sinkt. Die im Eingangsreferat aufgeworfenen Aspekte wurden in den nachfolgenden Diskussionen immer wieder aufgegriffen. Die Frage, wie die Versorgungsqualität meßbar gemacht werden kann, um damit die verschiedenen Versorgungsstrukturen vergleichbar zu machen, durchzog die gesamte Veranstaltung.

Die Darstellung des Comprehensive Cancer Centers (CCC) in Marburg durch Prof. Dr. Uwe Wagner warf beim Publikum vor allem die Frage auf, ob es für jeden Patienten erstrebenswert ist, sich ein einem derartigen Zentrum behandeln zu lassen.

Nach der Beschreibung des onkologischen Schwerpunktkrankenhauses in Kassel durch Prof. Dr. Martin Wolf wurden u.a. die Grenzen interdisziplinärer Zusammenarbeit diskutiert. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, wieviel Zeit die Beteiligten für die dazu nötigen Fallkonferenzen investieren können.

Was eine onkologische Schwerpunktpraxis leisten kann, stellte Prof. Dr. Hans Tesch dar. Im Zentrum der anschließenden Diskussion, stand die Problematik der guten Verzahnung stationärer und ambulanter Behandlung.

Hilde Schulte, Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs, ergänzte die Vorträge um den Blickwinkel der Patient/innen. Es wurde mehr als deutlich, dass eine hohe Versorgungsqualität einen intensiven Austausch zwischen Behandlern und Behandelten voraussetzt.

Arbeitsgruppen beschäftigten sich anschließend intensiv mit Zentren für Brust-, Prostata-, Darm- und Lungenkrebserkrankungen. Eine zusätzliche Gruppe beschäftigte sich mit der Krankheitsverarbeitung innerhalb der Familie.

In einer die Veranstaltung abschließenden Podiumsdiskussion wurden Einzelfragen der Gesamtthematik intensiv diskutiert.

Es herrschte Einigkeit darüber, dass Patient/innen bessere Informationen und mehr Transparenz brauchen, um gemeinsam mit ihren Behandlern den für sie besten Behandlungsort zu finden. Die Einführung von Lotsen kann sinnvoll sein. Auch die Selbsthilfe soll als Informationsquelle genutzt werden. Psychoonkologische Angebote müssen auf allen Ebenen gemacht werden. Der Aspekt, dass der Diagnoseschock die freie Entscheidungsfindung erschwert, soll berücksichtigt werden. Wichtig ist der Austausch aller in Netzwerken. Sie garantieren ein gemeinsames Vorgehen und können auch verhindern, dass Einzelne komplett fehlgeleitet werden.

Zentralisierung ist insofern ein zweischneidiges Schwert als die Kapazitäten endlich sind. Es müssen Kooperationen mit der wohnortnahen Versorgung aufgebaut werden. Ein besonderes Problem stellt die ärztliche Ausbildung dar. Wenn die geforderten Mindestmengen zu hoch sind, bleiben kaum noch Ausbildungskliniken übrig. Es gibt in der Folge immer weniger Operateure und irgendwann sind die Kriterien nicht mehr erfüllbar. Um das zu verhindern wurde der Vorschlag entwickelt, dass die Fallzahlen auch durch Lehrassistenzen erreichbar sein müssen.

Im Fazit wurde ein integriertes Netzwerk unter der Koordination eines onkologischen Zentrums gefordert, welches eine effektive Zusammenarbeit aller Akteure bei großer Transparenz für die Patient/innen ermöglicht. Damit könne möglichst Vielen eine qualitätsgesicherte wohnortnahe Behandlung angeboten werden.

 

 

Einzelbeiträge:

 

Aufgaben der onkologischen Schwerpunktpraxen
Prof. Dr. Hans Tesch

 

Krebs gehört bereits jetzt zu den am häufigsten gestellten Diagnosen. So stirbt zurzeit Deutschland ungefähr jeder vierte Patient an einem bösartigen Tumor. Bei der kontinuierlich steigenden Lebenserwartung und sich somit deutlich ändernden Altersstruktur der Bevölkerung wird die Diagnose Krebs in den nächsten Jahren weiter stark und stetig zunehmen. Bereits heute ist eine sehr erfolgreiche Behandlung von Tumorerkrankungen möglich, wodurch die Lebensqualität und oft auch die Prognose der Patienten deutlich verbessert werden können. Neuartige, systemtherapeutische und multimodale Therapiekonzepte, haben in der letzten Dekade zu erheblich verbesserten Behandlungsergebnissen bei den häufigen Krebserkrankungen geführt. Hierdurch ist die Krebserkrankung auch im fortgeschrittenen Stadium als chronische Erkrankung aufzufassen, deren Management durch Onkologen innerhalb eines kompetenten Netzwerks zwischen stationären und ambulanten Versorgungseinrichtungen geleistet werden muss. Zudem ist in kaum einem anderen Gebiet der Medizin in den nächsten Jahren mit so vielen weiteren Fortschritten und neuen diagnostischen und therapeutischen Methoden zu rechnen wie in der Onkologie. Der Bedarf für eine umfassende und qualifizierte onkologische Versorgung der Bevölkerung wird deshalb sehr stark steigen.

 

Krebs muss immer als eine Erkrankung des Körpers und der Seele verstanden werden, die als eine chronische Systemerkrankung einer umfassenden, ganzheitlichen und kontinuierlichen Betreuung bedarf. Diese ganzheitliche Behandlung umfasst eine interdisziplinäre Diagnostik sowie die multidisziplinäre Therapieplanung. Die Hauptaufgabe von Internisten mit dem Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie ist das Erstellen von ganzheitlichen, interdisziplinären Behandlungskonzepten. Dabei liegen die Arbeitsschwerpunkte in der Durchführung von Systemtherapien, von supportiven und palliativen Behandlungen sowie die Vorsorge und Nachsorge von Krebserkrankungen. Internisten des Schwerpunktes Hämatologie und Onkologie messen der Qualitätssicherung in ihrem Fachgebiet einen besonders hohen Stellenwert bei, da für onkologische Patienten i.d.R. besonders komplexe und nebenwirkungsreiche Therapiemaßnahmen, die hohe Kosten verursachen, erforderlich sind.

 

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) hat in Abstimmung mit dem Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Internistischen Onkologen in Deutschland (BNHO) sowie der Arbeitsgemeinschaft der leitenden Hämatologen und internistischen Onkologen am Krankenhaus (ADHOK) empfohlen, "Onkologische Zentren" zu etablieren, die eine hochwertige, qualitätsgesicherte und wirtschaftliche onkologische Versorgung der Bevölkerung als Kooperationseinheiten der stationären und ambulanten Versorgung sicherstellen sollen. In einem Grundsatzpapier wurden die Struktur und Anforderungen eines solchen Zentrums beschrieben. Die qualitätsgesicherte Aus- und Fortbildung der Ärzte und Mitarbeiter eines "Onkologischen Zentrums" gilt als wichtigster Garant dafür, dass eine hochwertige und umfassende medizinische Versorgung auch bei knapper werdenden Ressourcen, wirtschaftlich durchgeführt werden kann.

 

Um dem stark steigenden Bedarf nach einer flächendeckenden, ganzheitlichen und multidisziplinären onkologischen Versorgung der Bevölkerung in Frankfurt und Umgebung gerecht zu werden, soll aufgrund der DGHO Richtlinien und Empfehlung das "Onkologische Zentrum Frankfurt/Main" gegründet werden.

 

Onkologische Versorgung in den Frankfurter Diakonie-Kliniken

Mit Bescheid des Hessischen Sozialministeriums vom 23. Januar 2003 wurde festgestellt, dass die Frankfurter Diakonie-Kliniken (FDK) mit ihren Betriebsstätten Bethanien-Krankenhaus, Diakonissen-Krankenhaus, Markus-Krankenhaus und Mühlberg-Krankenhaus krankenhausplanerisch ab 01. Januar 2003 als ein Krankenhaus in den Krankenhausplan des Landes Hessen aufgenommen sind. Als Krankenhaus der Schwerpunktversorgung verfügen die Frankfurter Diakonie-Kliniken insgesamt über 911 Planbetten zuzüglich 45 teilstationäre Plätze und 13 Dialyseplätze. Die Betten verteilen sich auf die Fachgebiete Innere Medizin, Chirurgie einschließlich Plastische Chirurgie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Geriatrie, Psychiatrie, Urologie, Radiologie/Strahlentherapie und Intensivmedizin.

Im Laufe der Jahre haben die Frankfurter Diakonie-Kliniken zunehmend onkologische Aufgaben übernommen, die teilweise weit über das Versorgungsgebiet reichen. Die spezialisierte Versorgung von onkologischen Patienten entspricht bereits seit langer Zeit der eines onkologischen Zentrums. Die personellen, gerätemäßigen und räumlichen Voraussetzungen an onkologische Schwerpunkte, wie sie vom Landeskrankenhausausschuss am 13. Juni 1995 verabschiedet wurden, werden von den Frankfurter Diakonie-Kliniken deutlich überschritten. Die besondere onkologische Ausrichtung der FDK wurde seit 1996 mit der Vereinbarung eines separaten Abteilungspflegesatzes für Hämatologie und internistische Onkologie berücksichtigt. Mit der Anerkennung der Frankfurter Diakonie-Kliniken als onkologisches Zentrum soll den tatsächlichen Gegebenheiten in der onkologischen Versorgung Rechnung getragen und eine leistungsfähige und flächendeckende Versorgung sichergestellt werden.

Mit der krankenhausplanerischen Zusammenführung zu einer fachlich-medizinischen Einheit hat die Fachgebiete übergreifende Versorgung onkologischer Patienten in den Frankfurter Diakonie-Kliniken eine besondere Bedeutung gewonnen. Insgesamt werden jährlich etwa 5000 Tumorpatienten ambulant und stationär versorgt. Zwischen den onkologisch tätigen Kliniken, Fachabteilungen, Schwerpunktpraxen und Institutionen der FDK besteht eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit. In allen Fachabteilungen erfolgt die Versorgung, Diagnostik und Therapie von Patienten mit bösartigen Neubildungen nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten unter Verfügbarkeit und Beherrschung anerkannter Methoden in den einzelnen Fachgebieten. Die Versorgung ist dem neuesten medizinisch-technischen Standard angepasst und entspricht den Richtlinien der Fachgesellschaften.

 

 

 

 

 

 

 

"Was ist eine optimale Versorgungsstruktur aus Sicht des Tumorpatienten?"

Hilde Schulte, Frauenselbsthilfe nach Krebs

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Die meisten der 400 000 Menschen, die jährlich an Krebs erkranken, trifft die Diagnose unvorbereitet. Sie trifft mit voller Wucht und verändert das Leben der Betroffenen und der Angehörigen. In dieser lebensbedrohenden Situation ist besondere Unterstützung und Betreuung gefragt. Die Frauenselbsthilfe nach Krebs bietet mit ihren 12 Landesverbänden und 440 Gruppen bundesweit Hilfe an unter dem Motto "auffangen, informieren, begleiten". Das bedeutet auffangen nach dem Schock der Diagnose, informieren über Hilfen zur Krankheitsbewältigung und begleiten in ein Leben mit und nach Krebs. Diese Unterstützung, wie auch die von Familie und Freunden, reicht bei Weitem nicht aus. Sie geht einher mit der Unterstützung, die krebskranke Menschen in stationären und ambulanten Einrichtungen unseres Versorgungssystems brauchen und nur zum Teil erfahren.

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Krebskranke Menschen wollen gesunden. Sie erwarten Versorgungsstrukturen und -abläufe, die beste Voraussetzungen für Heilung bieten und eine gute Prognose ergeben. Sie wollen ganzheitlich wahrgenommen werden mit all ihren Ängsten und Gefühlen, sie wollen ernst genommen werden. Sie wollen nicht nur organisch behandelt werden, sondern physisch, psychisch und sozial, denn in all diesen Lebensbereichen hinterlässt Krebs seine Spuren. Betroffene erwarten, dass sich Ärzte Zeit nehmen für Gespräche und dass sie ehrlich bleiben, dass sie Wahrheit nicht verschweigen, aber Hoffnung nicht nehmen. Diese Erwartungen, notwendige Voraussetzungen und Beiträge zur Krankheitsbewältigung, können nur gewährt werden in Strukturen, die sich an den Belangen und Bedürfnissen von Patienten orientieren, nur so kann Versorgung als optimal angesehen werden..

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Zunächst aber stellt sich für jede Betroffene die Frage: Wo bekomme ich die beste Behandlung? Innerhalb kürzester Zeit müssen lebenswichtige Entscheidungen getroffen werden, deren Ausmaß häufig erst viel später deutlich wird.

Gibt es spezielle Experten für die Behandlung meiner Erkrankung, woran erkenne ich sie? Was ist z. B. ein Brustzentrum, bietet es mir Vorteile, woran erkenne ich Qualität? Hier brauchen Patienten mehr Transparenz, um ihre Behandlugn nicht dem Zufall oder der Beliebigkeit zu überlassen, hier brauchen sie die Kenntlichmachung von onkologischer Kompetenz, um sich im Dschungel unseres Versorgungssystems sicher bewegen und die Möglichkeiten, die es bietet, ausschöpfen zu können.

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Betroffene befinden sich mit der Diagnosestellung, vielmehr schon bei dem Verdacht auf eine Krebserkrankung, plötzlich in einer fremden Welt: der Welt des Medizinsystems mit ihrer eigenen Sprache und ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten.

Hier brauchen sie Informationen, in verständlicher Sprache, in angemessener Art und Weise, zum richtigen Zeitpunkt, über ihre Erkrankung, über Behandlungsoptionen, über Nebenwirkungen. Um an der Therapieentscheidung mitwirken zu können im Sinne von Shared Decision Making (SDM), müssen sie ihre Lebenssituation und Präferenzen einbringen können, mit dem Arzt alle für die Behandlung wichtigen medizinischen und persönlichen Informationen austauschen, gemeinsam eine Abwägung vornehmen und gemeinsam die Behandlung festlegen. Nur so können Patientinnen an ihrer Genesung mitwirken, besser mit der Therapie und ihren Nebenwirkungen umgehen und auch Krisenzeiten überstehen. Information und Aufklärung sind keine einmaligen Gespräche, sondern immer wiederkehrende Prozesse während des gesamten Behandlungsverlaufs. Denn Informationsbedürfnis und Belastbarkeit der Patientin verändern sich und treffen nicht immer auf die gleiche Informationsbereitschaft des Arztes.

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Bestandteil von Information muss auch die Bereitstellung von aktuellem, sachdienlichem, schriftlichem Informationsmaterial sein, das die Gespräche mit dem Arzt in sinnvoller Weise ergänzt und zum Verständnis der neuen und komplexen Zusammenhänge im Krankheitsgeschehen beiträgt. Ebenso dürfen Hinweise auf Kontaktmöglichkeiten zu Hilfsorganisationen, Beratungsstellen und Selbsthilfe nicht fehlen. Sanitätshäuser z. B. eröffnen Betroffenen positive Perspektiven, wenn es um die Wahrnehmung des äußeren Körperbildes geht und Hilfsmittel Symmetrie und Normalität ermöglichen.

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Integrierte Versorgung, Hausarztmodell, DMP, DRGs, Organzentren (Cs), Tumorzentren (CCs), Comprehensive Cancer Centers (CCCs) sind Strukturen, die Interdisziplinarität festschreiben und die Patientin in den Mittelpunkt stellen - sollen. Die an der Behandlung beteiligten Ärzte und Fachgruppen arbeiten zusammen, die Patientin fängt nicht jedes Mal mit Ihrer Geschichte von vorne an, muss sich keinen belastenden Doppeluntersuchungen stellen und hat bestenfalls einen Lotsen, der sie an die Hand nimmt und begleitet. Die Voraussetzungen für diese Art Behandlung, wie sie Patienten brauchen und wie sie dem System auch dienlich wären, sind weitgehend geschaffen, jedoch hat im praktischen Medizinalltag noch nicht überall Einkehr gehalten, was in Vorgaben und Leitlinien verankert ist.

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Patientinnen sind häufig überfordert, wenn sie vom Krankenhaus mit einem Therapieplan in der Hand entlassen werden und die weitere Behandlung, auf sich alleine gestellt, organisieren sollen. Eine enge Kooperation zwischen dem stationären und ambulanten Sektor ist ebenso dringend erforderlich wie zwischen und innerhalb der Einrichtungen. Hier dürfen keine Brüche auftreten, sondern Durchgängigkeit muss während der gesamten Behandlungskette gegeben sein.

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Alle Krebspatienten erwarten eine Behandlung nach aktuellem Stand der wisssenschaftliche Erkenntnisse, die eingangs erwähnte beste Behandlung. In verschiedenen Bereichen gibt es hochwertige Leitlinien, z. B. die beiden Stufe 3 LL bei Brustkrebs, die klar eine qualitätsgesicherte, evidenzbasierte Vorgehensweise für die unterschiedlichen Erkrankungssituationen beschreibt. Wir erleben jedoch in unserem Verband bundesweit eine sehr große Behandlungsvarianz und sehr unterschiedliche Vorgehensweisen, die nicht erklärbar und nicht zu tolerieren sind, denn Betroffene kommen dadurch zu Schaden. So fordern wir zum Einen die Erhöhung der Akzeptanz von Leitlinien und die Umsetzung von bundesweit geltenden Standards in die medizinische Praxis und zum Anderen die weitere Entwicklung von hochwertigen Leitlinien für Bereiche, in denen sie noch nicht zur Verfügung stehen.

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Um von einer optimalen Versorgungsstruktur sprechen zu können, muss psycho-onkologische Betreuung in behandelnden Kliniken und Praxen sichergestellt werden. Die Angebote müssen zeitnah erfolgen und am individuellen Bedarf der Patientinnen orientiert sein. Bei einem heute üblichen 5-tägigen stationären Aufenthalt nach einer Krebsoperation ist es kaum möglich, einen Bedarf an psychologischer Unterstützung überhaupt festzustellen, geschweige denn, ihm adäquat zu begegnen. Im ambulanten Sektor wiederum gibt es keine oder zu wenige Angebote, sodass Wartezeiten bis zu einem halben Jahr keine Seltenheit und im individuellen Fall wenig hilfreich sind. Hier fordern wir eine systematische Analyse der Patientinnensituation und die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes zur vernetzten und Sektoren übergreifenden psycho-onkologischen und sozialen Betreuung und der Einbeziehung der Selbsthilfe.

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Aufgrund der höheren Lebenserwartung und des medizinischen Fortschritts leben immer mehr Menschen mit Krebs. Auch im metastasierten Stadium ist noch eine gute Lebensqualität erreichbar und Aussicht auf eine gute Spanne an Lebenszeit. Hier spielt die psychoonkologische Betreuung und die Palliativmedizin eine besondere Rolle. Denn die höhere Lebenserwartung und der medizinische Fortschritt gereichen nur dann zum Vorteil, wenn überall, wo onkologische Patienten behandelt werden, Ärzte entsprechend qualifiziert sind, um mit jeder Krankheitsphase optimal umgehen zu können und das breite Spektrum der vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen wissen. Welchen Dienst erweist uns z.B. eine Schmerztherapie, die nur 25 % der Ärzte anwenden? Auch hier gilt die Forderung nach Umsetzung von verfügbaren Chancen in die medizinische Routineversorgung.

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Doch ohne Erhebung von Daten, ohne eine flächendeckende, vereinheitlichte klinische Dokumentation ist die Routineversorgung nicht abbildbar, ist Qualität nicht messbar. Jeder einzelne Schritt von allen an der Behandlung Beteiligten in der gesamten Behandlungskette bedarf der Dokumentation einschließlich der zeitnahen Erfassung neuer Therapieverfahren. Die Offenlegung von Daten letztlich macht Qualität messbar und vergleichbar, für die Akteure im System und für Patienten muss dies transparent sein. Die Dokumentation sollte jedoch so weit wie möglich von nicht-ärztlichem Personal durchgeführt werden, um Ärzten den Freiraum für Arzt-Patienten-Gespräche nicht zu beschneiden. Die verschiedenen Dokumentationsverfahren im Bereich der unterschiedlichen gesundheitspolitischen Programme (z. B. DMP, BZ, BQS, Krebsregister …) sind zu harmonisieren, damit in Kliniken und Praxen die Dokumentation als sinnvolles Instrument und nicht als bürokratische Last verstanden wird.

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Zu guter Letzt möchte ich noch auf Patientenkompetenz zu sprechen kommen. In Zeiten der individuellen und kollektiven Patientenbeteiligung ist sie im Allgemeinen anerkannt und vielerorts einbezogen. Daraus hat sich in verschiedenen Bereichen eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Selbsthilfeorganisationen entwickelt, die hilfreich und entlastend ist für alle Beteiligten, für Betroffene, für Ärzte und auch für die Kostenträger. Die Erfahrungen zeigen, dass Mitglieder von Selbsthilfeorgansiationen mit ihrem Erfahrungswissen die Leistungen der professionellen Helfer mit ihrem Fachwissen sinnvoll ergänzen. Sie sind Experten in eigener Sache, z. B. in Fragen der Alltags- und Lebensgestaltung, im Umgang mit Hilfsmitteln und kennen sich aus in den schwer überschaubaren Wegen und Strukturen unseres Gesundheitssystems. Deshalb dürfte keinem krebskranken Menschen der Hinweis auf eine Selbsthilfegruppe vorenthalten werden.

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Die Frauenselbsthilfe nach Krebs als eine der ältesten und die größte deutsche Krebs-Selbsthilfeorganisation setzt sich für eine optimale Versorgung von Krebspatienten ein. Wir wirken z. B. mit bei der Erstellung von medizinischen Leitlinien und in Untergliederungen des gemeinsamen Bundesausschuss. Wir fordern auch weiterhin unsere Beteiligung bei der Neugestaltung der Versorgungsstrukturen und -abläufe ein, denn das Gesundheitssystem in Deutschland steht vor wichtigen Weichenstellungen. Unser Ziel ist ein patientenorientiertes, qualitätsgesichertes, flächendeckendes Versorgungssystem für krebskranke Menschen.

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Nur gemeinsam mit allen Akteuren im Gesundheitswesen ist dieses Ziel erreichbar.

 

 

Arbeitsgruppe Brustzentrum

Vortrag

"Brustzentrum - Eine echte Innovation"
von Prof. Manfred Kaufmann

 

Ausgehend von der Situation, dass in der Klinischen Onkologie bisher galt: Jeder kann, macht darf und weiß Alles, definiert er ein Zentrum anhand des Dudens als Bereich, der in bestimmter Beziehung eine Konzentration aufweist und daher von erstrangiger Bedeutung ist.

Ein Organzentrum benötige grundsätzlich ein eigenes Organisations - und Entscheidungskonzept für Diagnostik und Therapie; eine eigene Führung des Zentrums im Sinne mehr als bloßer Koordination, eigene Ressourcen, eigene Leitlinien und Qualitätssicherung und die Möglichkeit der Patientenaufnahme in das Zentrum.

Aufgabe eines Organzentrums sei es, Schwachstellen in der Versorgung aufzudecken, leitliniengerechte Diagnostik und Therapie durchzuführen, zu dokumentieren, Qualitätsüberprüfung und -sicherung zu ermöglichen, klinische Studien durchzuführen und translationale Forschung zu betreiben.

Als wichtige Elemente der Organisationsstruktur von Organzentren nennt Prof. Kaufmann interdisziplinäre Fallbesprechungen, die Zusammenführung der Vielzahl komplexer Staginguntersuchungen, die interdisziplinäre Absprache der Therapieentscheidung vor Ersttherapie, die verpflichtende und konsensuale Qualitätssicherung sowie die Vermeidung einer Wanderung von Patienten durch das Klinikum.

Mit der Einrichtung von Organzentren werden als Ziele die Verbesserung von Ergebnissen und Qualität sowie die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit verfolgt. Die Ergebnisse lassen sich durch adäquate Diagnostik, sinnvolle Therapiereihenfolge und bessere Informationskommunikation zwischen Internen und Externen verbessern. Die Wirtschaftlichkeit wird durch die Vermeidung von "Doppeldiagnosen" und Wartezeiten sowie die kontrollierte Indikation teurer Medikamente erhöht. Insgesamt bewirke die Stärkung der Kompetenz im Zentrum auch eine Vertrauensstärkung beim Patienten. Die Festlegung von "Mindestmengen" bewirke eine Steigerung von Qualität und Wirtschaftlichkeit.

Beim Brustkrebs ständen der Situation, dass von den über 50.000 Frauen, die pro Jahr in Deutschland an Brustkrebs erkranken, ca. 19.000 sterben, folgende Fakten gegenüber: 1/3 aller Patientinnen erhalten keine optimale adjuvante Therapie, 20% der Ärzte kennen keine Leitlinien, 25% der Patientinnen befolgen die Empfehlungen nicht. Aufschlußreiche Folien mit den entsprechenden Statistiken untermauern die Aussagen und zeigen die Qualitätsunterschiede spezialisierter und nichtspezialisierter Behandlung sowie verschiedener Krankenhausgrößen.

Ausgehend von 50.000 Neuerkrankungen im Jahr und einer Kliniksgröße, die die Behandlung von mehr als 150 Brustkrebspatientinnen im Jahr erlaubt, errechnet Prof. Kaufmann einen Bedarf von ca. 340 Brustzentren. Er nennt weitere Qualitätskriterien, die ein "Brustzentrum" aufweisen müsse und erläutert die unterschiedlichen Zertifizierungsverfahren. Er beschreibt auch, wie die Qualität national und lokal gesichert werden könne.

Als ein Fazit wird festgehalten, dass Brustzentren die Expertise der beteiligten Fachdisziplinen bündeln, die Qualität in ihren Abläufen sichern und die Säulen der onkologischen Zentren mit ihren Organ- und sektorenübergreifenden Aufgaben bilden.

 

Allgemein bewirke die Zentrenbildung in der Onkologie, eine höhere Kompetenz, Erfahrung auch bei Indikationen mit geringer Inzidenz, Interdisziplinarität, ein breites Ausbildungsspektrum, höhere Qualität, mehr Kosteneffektivität und einen positiven Wettbewerb.

Für die "Brustzentren" zeigen retrospektive Daten, dass ihre Etablierung mit einer Verbesserung der Patientenversorgung assoziiert ist. Prospektive Evaluationen stehen allerdings noch aus. Außerdem könne gesagt werden, dass die leitlinienkonforme Therapie in einem "Brustzentrum" kosteneffektiv ist.

Als Mängel hält Prof. Kaufmann fest, dass eine einheitliche Definition des "Brustzentrums", einheitliche Leistungskriterien, einheitliche Qualitätssicherung und ein nationales Tumorregister mit Nachbeobachtung noch fehlen.

Prof. Kaufmann schließt mit der Forderung, in "Brustzentren" sei die Versorgungs-Qualität durch Kompetenz, Kooperation, Krebsregister, Kosteneffektivität und Kreativität sicherzustellen, denn, wie schon Albert Einstein feststellte: "Der Fortschritt lebt allein vom Austausch des Wissens".

 

 

 

 

 

 

Arbeitsgruppe Prostatazentrum
geleitet von Prof. W. Weidner und G. Feick

In diesem kleinen Symposium wurden die Erfahrungen und Erkenntnisse der Patienten durch den Vorsitzenden der Selbsthilfegruppe Prostata, Herrn Feick aus Gießen, das Beispiel der Prostatazentren anhand des Dachverbandes der Prostatazentren Deutschlands e. V. durch Professor Weidner/Gießen, uro-onkologische Konzepte in einem Prostatazentrum durch Oberarzt Dr. Lüdecke/Gießen, radiotherapeutische Konzepte durch Herrn Oberarzt PD Dr. Strassmann/Marburg und die Einbindung des niedergelassenen Urologen in ein Kompetenzzentrum durch Herrn Dr. Rudnick/ Landesvorsitzender Hessen des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V. dargestellt.

 

Die Diskussion erfolgte offen und interaktiv mit den zahlreich anwesenden Vorsitzenden von Selbsthilfegruppen aus Hessen. Dabei hat Herr Feick für die Betroffenen ganz klar gestellt, dass nur in einer zentralisierten Struktur, die virtuell die Kooperation zwischen klinischen und niedergelassenen Kollegen beinhaltet, eine entsprechende Prostatazentrumsaktivität durchgesetzt werden kann.

 

Herr Professor Weidner skizzierte die Vorstellungen des Dachverbandes der Prostatazentren Deutschlands e. V. (www.dvpz.de) und stellte die Ziele dar. Diese sind:

· Verbesserung der Behandlungsqualität und Versorgung von Patienten mit Prostataerkrankungen

· Integrierte, interdisziplinäre und interinstitutionelle Versorgung

· Förderung des wissenschaftlichen Gedankenaustausches zwischen zertifizierten Prostatazentren in Tat, Wort und Schrift

· Förderung von klinischer und experimenteller Forschung auf dem Gebiet der Prostataerkrankungen

· Bündelung der Kompetenzen und Ressourcen und enge Kooperation der Mitglieder

· Formulierung von Normen bzw. Vorgaben für die Zertifizierung von Prostatazentren

· Formulierung von Normen bzw. Vorgaben für Qualitätsstandards in zertifizierten Prostatazentren

 

Für die Struktur des Zentrums wird eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Pathologen, Radiotherapeuten und Onkologen gefordert, weiterhin eine engste Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten, die Einbindung der Selbsthilfegruppen sowie eine psychosoziale und onkologische Betreuung. Eine standardisierte Durchführung der Nachsorge, Tumordokumentation und regelmäßige Informationsveranstaltungen für Patienten sind selbstverständlich. Ein Patiententelefon sollte eingerichtet sein. Sinn ist, eine Verbesserung der Qualität in der Diagnose und der Therapie bei Prostatakarzinomen (und auch anderen Prostataerkrankungen) unter Einschluss einer Standardisierung der operativen und Strahlentherapie sowie der onkologischen Behandlungsmöglichkeiten.

 

Am Ende der Diskussion war klar, dass alle Teilnehmer der Gesprächsrunde ein derartiges Prostatazentrum einstimmig fordern.

 

Die weiteren Beiträge von Herrn Dr. Lüdecke und Herrn PD Dr. Straßmann machten klar, dass uro-onkologische und radiotherapeutische Konzepte in ein derartiges Prostatazentrum ohne Problematik eingebunden werden können. Die Einbindung des niedergelassenen Urologen in ein derartiges Kompetenzzentrum sieht der Landesvorsitzender Hessen des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V. Herr Dr. Rudnick unproblematisch und stimmt der Einrichtung eines Prostatazentrums in Gießen zu.

 

Arbeitsgruppe Darmzentrum
geleitet von Prof. K.-H. Link und U. Ohler

 

Dick- und Enddarmkrebs.

Zertifiziertes Darmzentrum versus flächendeckende strukturierte und

kontrollierte Versorgungsqualität?

 

Prof.Dr.Dr.h.c.K.H.Link

Direktor des Chirurgischen Zentrums und Sprecher des

Asklepios Tumortherapie Centrums Rhein/Main (ATC)

an der Asklepios Paulinen Klinik (APK) Wiesbaden

www.chirurgisches-zentrum.de

 

Mitglied der Zertifizierungskommission der Deutschen Krebsgesellschaft "Darm(krebs)zentren

Leiter der Arbeitsgruppe Kolonkarzinom und Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Chirurgische Onkologie der Deutschen Gesellschaft für Visceralchirurgie (CAO-V)

Leiter der Arbeitsgruppe "Qualitätssicherung in der Kolon- und Rektumkarzinomchirurgie" des Konvents Leitender Krankenhauschirurgen

 

Die Chirurgische Therapie trägt wesentlich zur Heilung von Darnmkrebspatienten bei und kann in der Qualität variieren (Abb.). Die Kurz- und Langzeitergebnisqualität in der Dick- und Enddarmkrebschirurgie weist im Vergleich zwischen Chirurgen, Kliniken und auch zwischen Nationen erhebliche Variationen auf (Abb.). Aus Literaturberichten wird klar, dass diese Variationen bedingt sind durch Struktur- (Krankenhaus) und Prozess (Chirurg, Team, Krankenhaus)-Gegebenheiten. Diese optimale Qualität wird erzielt durch gute interdisziplinäre Zusammenarbeit und bestes chirurgisches Training. In eigener Erfahrung als Leiter der Chirurgischen Onkologie und Verantwortlicher für die Ergebniskontrolle und Fortentwicklung in der Behandlung von Kolon- und Rektumkarzinompatienten an der Abteilung Chirurgie I (Allgemein- und Visceralchgirurgie) an der Chirurgischen Universitätsklinik in Ulm konnten z.B. die 5-Jahresüberlebensraten beim Kolonkarzinom im Stadium UICC III von den "üblichen" 49% Anfang der 80er Jahre über 59% mit adjuvanter Standardtherapie auf 72% mit moderner adjuvanter Therapie gesteigert werden (Abb.). FOGT-1 ist eine vom Tumorzentrum Ulm aus initiierte und geleitete multizentrische Deutsche Studie unter Beteiligung von 63 Kliniken unterschiedlicher Ausrichtung (von Grund- und Regelversorgung bis Universitäres Tumorzentrum) (Leitung KHL). Das chirurgische Verfahren, ebenso wie das Staging inklusive der pathologischen Untersuchungsverfahren entsprachen den modernsten, auch heute noch gültigen Standards und waren im Protokoll festgehalten. Die einzelnen Klinikkategorien unterschieden sich nicht in den onkologischen Langzeitergebnissen. Dies zeigt, dass bei entsprechendem Engagement interdisziplinär auf hohem Niveau die Ergebnisse unabhängig von der Klinikgröße sein können.

 

Die Deutsche Krebsgesellschaft hat in Zusammenarbeit mit dem Westdeutschen Darmzentrum Qualitätsvorgaben erstellt, die Kliniken vorhalten sollten, um Kolon- und Rektumkarzinompatienten zu versorgen. Kliniken, die diese Voraussetzungen formal und geprüft erfüllen, können als Darm(krebs)zentren zertifiziert werden (Abb.).

 

Die Arbeitsgruppe Qualitätssicherung in der Kolon- und Rektumkarzinomchirurgie des KLK (Leitung KHL) hat einen 9 Punkte Katalog erstellt, die Chirurgische Kliniken und interdisziplinäre Teams vorhalten sollen, um beste Qualitätsvoraussetzungen zu bieten, die für die Diagnostik/Behandlung/Nachsorge von Kolon- und Rektumkarzinompatienten erforderlich sind (Abb.). Die Einhaltung dieser Vorgaben ist nicht an eine Zentrierung gekoppelt. Das Ziel liegt in der kompetenten interdisziplinär geführten Zusammenarbeit mit dem Patienten, möglichst wohnortnah, im Mittelpunkt.

 

 

Kommentar:

Auf der Arbeitsgruppensitzung am 4.Symposium der HKG wurden die Möglichkeiten der zentralen Versorgung vs. Qualitätskontrollierten Versorgung diskutiert. Anwesend waren Vertreter aus der Medizin/Kliniken und von Patientenorganisationen unter Leitung von Prof.Link und Herrn U.Ohler (Deutsche ilco). Als Ergebnis wird gefordert, dass definierte Qualitätsstrukturen für die Patientenversorgung vorgehalten werden müssen. Eine Zentrierung mit ggf. wohnortferner Versorgung im "Massenbetrieb" wird nicht gewünscht.

 

Das Ergebnis der Diskussion wurde im anschließenden plenaren Rundtischgespräch des Symposiums vorgetragen, diskutiert und akzeptiert.

 

Vortragsfolien:

 

Kolon Rektum Zertifiziertes Darmzentrum vs Flächendeckung pdf.pdf

 

 

 Arbeitsgruppe Krankheitsverarbeitung innerhalb der Familie

geleitet durch Dr. E. Staib-Sebler, Dipl.-Psych. B. Senf

 

Die Arbeitsgruppe setzte sich zusammen aus Betroffene Patienten und ihren Angehörigen, hauptamtlich psychoonkologisch Tätige, Psychotherapeuten, ehrenamtlich arbeitende Hospizhelfer und Interessierte.

 

Durch Kurzreferate wurde zunächst theoretisches Wissen über die Zusammenhänge der Verarbeitung einer Krebserkrankung innerhalb der Familie vermittelt.

In der anschließend sehr offenen und lebhaften Diskussionsrunde konnten folgende zentralen Aussagen getroffen werden:

 

Eine onkologische Erkrankung ist immer eine Erkrankung, die das ganze Familien- und Freundschaftssystem betrifft.

Nicht nur der Patient sondern alle Mitglieder der Familie bedürfen einer Fürsorge und müssen gestützt werden, was leider im Alltag nicht oft genug geschieht, wie auch aus aktuellen Beispielen der Gruppe hervor ging. Das Wissen um die soziale und familiäre Situation ist für onkologische Behandler unabdingbar, um sowohl dem Tumorpatienten als auch dem familiären Umfeld eine adäquate Hilfe für alle Beteiligten überhaupt anbieten zu können. Kinder krebskranker Eltern sind hoch gefährdet eine psychische Erkrankung jetzt oder auch im späteren Alter zu entwickeln. So wurde zum Beispiel der Verein "Hilfe für Kinder krebskranker Eltern" (Sitz in Offenbach) angesprochen, der gerade für Familien mit Kindern eine wesentliche Unterstützung leisten kann, dass diese Gefährdung reduziert wird.

Eine Stabilisierung des Familiensystems kann oft auch dadurch erreicht werden, dass derjenige, der sich in psychoonkologischer Betreuung befindet, unterstützt wird. Dadurch können durch andere Einsichten und Verhaltensmaßnahmen Konfliktsituationen innerhalb der Familie entschärft werden, auch wenn nicht alle Familienmitglieder bereit sind, in eine Beratungssituation zu gehen, was oft bei Jugendlichen der Fall ist.

Es gibt für viele Betroffene nicht nur den einen Lösungsweg, jeder sollte da "abgeholt werden" wo er steht.

An Beispielen wurde erarbeitet, dass der offene Umgang und die Ehrlichkeit ganz wesentlich zu einer guten Krankheitsverarbeitung beiträgt, auch wenn es im Moment als ein schwerer Weg erscheinen mag. Das nicht miteinander reden fördert das ausgegrenzt sein, die Verunsicherung das Misstrauen, und dies gilt wiederum für alle Beteiligten.

 

Die Kommunikation ist der Schlüssel zu einer guten Krankheitsverarbeitung für das ganze Familiensystem und für jedes einzelne Mitglied dieses Systems. Es die Aufgabe der Behandler die Kommunikationsstörungen herauszufinden, um dadurch Hilfen anzubieten und Lösungswege aufzeigen zu können. Der Patient und seine Angehörigen können mit Offenheit und Vertrauen den Behandlern dabei helfen gemeinsam diese Lösungsschritte zu finden.

 


1. Forum für Selbsthilfegruppen(leiter/innen)

 

Schwerpunktthemen: Zusammenarbeit mit Zentren/Psychosoziale Unterstützung

 

Samstag, 12. Dezember 2009

11.00 - 16.00 Uhr

Technologie- und Tagungszentrum Marburg

Veranstalter: Hessische Krebsgesellschaft e.V.

 

Programm

11:00 Uhr

Begrüßung und

Vorstellung der Selbsthilfe-Aktivitäten

der Hessischen Krebsgesellschaft

Dr. phil. Ursula Haupt

 

11:30 Uhr

Offenes Diskussionsforum mit Fachleuten:

Zusammenarbeit von Selbsthilfegruppen mit Organ- bzw. onkologischen Zentren

Dr. med. Heiko Fensterer, Darmzentrum Marburg

Dr. med. Martin Middeke, CCC-Marburg

Dr. med. Peter J. Olbert, Prostatakarzinomzentrum Marburg

Prof. Dr. med. Oliver Rick, Klinik Reinhardshöhe Bad Wildungen

Dr. med. Cosima Zemlin, Brustzentrum Regio, Marburg

 

 

13:00 Uhr Mittagspause

 

14:00 Uhr

Offenes Diskussionsforum mit Fachleuten:

Psychoonkologische und Psychosoziale Fragestellungen in der Selbsthilfegruppenarbeit

Jean Appell, Klinik Reinhardshöhe, Bad Wildungen

Dipl.-Psych. Hanna Bohnenkamp, Krebsberatungsstelle Frankfurt

Dipl.-Psych. Irmgard Müller, Klinik Sonnenblick, Marburg

Christiane Schmitt, Leben mit Krebs Marburg e.V.

 

15.30 Ausklang

 

Gesamtmoderation:

Dr. phil. Ursula Haupt

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 Aktiv gegen Krebs Marburg

(ein Zusammenschlußaus:
Hessische Krebsgesellschaft e.V., Brustzentrum Regio Marburg, Hilfe bei Leukämie und Krebs Marburg e.V., Marburger Interdisziplinäres Tumorzentrum)

Patientenvorträge

jeweils Mittwoch um 19.00 Uhr
im Universitätsklinikum Marburg-Lahnberge
Haupteingang Ebene 0, Raum 0 /4116

 

12. März 2008

Dr. med. Ulf Seifart
Chefarzt Klinik Sonnenblick, Marburg

"Onkologische Rehabilitation"

 

 18. Juni 2008

Christiane Schmitt,

Krankenschwester, Entspannungstrainerin

Leben mit Krebs Marburg e.V.

und

Heike Jacobs

Dipl. Psychologin -Psychoonkologische Weiterbildung

Psychologische Psychotherapeutin

  

"Ich will alles für mich tun!"

Wie erlangen Krebsbetroffene eine gute Lebensqualität?

Welche Teams braucht es nach einer Krebstherapie?

 

 

28. Januar 2009

Eva Bimler,

Ärztin und Betroffene

Bundesverband Lymphselbsthilfe e.V.

 

"Krebserkrankungen und

ihre Folgen für das Lymphsystem"

 

 

 


Patientenseminare in Offenbach

(Ketteler-Krankenhaus)

 

Diagnose Krebs - Wissen hilft

Konzept

Die Diagnose "Krebs" löst auch in unserer sonst so aufgeklärten Zeit noch immer Erschrecken und Angst aus, mehr als andere Erkrankungen. Vieles hat man darüber gehört und gelesen, widerstreitende Meinungen verunsichern, mancher Mythos hält sich hartnäckig.

Umfassende Information durch praxiserprobte Fachleute kann eine Hilfe sein, um den Umgang mit einer Tumorerkrankung für Patienten und Angehörige zu erleichtern.

 Wir bieten Ihnen Abende an, in denen neben dem Vortrag viel Raum für die Diskussion und den Austausch zwischen Fachleuten und Patienten/Angehörigen sein wird.

 

Die Veranstaltungen finden donnerstags von

19.00 h - 20.30 h in den Räumen der Pflegeschule des Ketteler-Kranken-hauses Offenbach statt

Wir bitten um eine Anmeldung mit Hilfe des beiliegenden Abschnittes. Die Teilnahme ist kostenlos.

 Prof. V. Paolucci / Dr. med. E. Staib-Sebler

 

Programm

  

15. Januar 2009

Kommunikation im medizinischen Alltag

Unausgesprochenes in der Klinik und Praxis

Dr. med. G. Römer, Ärztin für Allgemeinmedizin, Onkologische Koordination, Psychoonkologie

 

Wie kann und darf ich meinen Ärzten und Behandlern sagen was ich will?

Dr. med. S. Rummel, Ärztin, Soft Skill raining, Frankfurt

 

Zauberworte

Remo Keil, Zauberer Frankfurt

 

 

07. Mai 2009

Was weiß man über die Krebsentstehung?
PD Dr. med. habil. S. Sahm

 

Ich möchte etwas für meine Gesundheit/Vorsorge tun.
Wie schafe ich es, die gutzen Vorsätze umzusetzen?

Dipl.-Psych U. Völkel

 

04. Juni 2009

Antihormonelle Therapie und Einsatz von Antikörpern beim Mammakarzinom

- Welche Wirkung haben sie?
Wie lange muß die Behandlung dauern?
- Wie sind die Nebenwirkungen zu behandeln?

Dr. med. Dr. phil. nat. G. Fink

 

Ist Osteoporose vermeidbar?
-Ursachen
-Behandlung der Beschwerden

Dr. med. A. Müller

 

02. Juli 2009

Neues aus der Behandlung von Tumoren

Prof. Dr. med. L. Bergmann

 

Wege durch die Krankheit
- Wie treffe ich Therapieentscheidungen?
- Welche Beratung brauche ich?
- Was hilft noch?

Dr. med. K. Siegler

 

12. November 2009

Patientenverfügung - was ist neu, was muß unbedingt beachtet werden?
H. Picard , ehem. Dekan Offenbach - Moderation

- Aus medizinischer Sicht
PD Dr. med. habil. S. Sahm,
CA Klinik für Gastroenterologie, Onkologie und Stoffwechselkrankheiten

- Aus notarieller Sicht
Ernst Gesser, Rechtsanwalt und Notar Offenbach

 

03. Dezember 2009

Der Tumor kommt wieder - was nun?
Dr. med. E. Staib-Sebler, Psychoonkologin - Moderation

- Operative Möglichkeiten
 Prof. Dr. med. V. Paolucci, CA Klinik für Chirurgie

- Medikamentöse Möglichkeiten
Dr. med. S.E. Al-Batram, Krankenhaus Nordwest Frankfurt

- Psychoonkologische Möglichkeiten
Dr. med. E. Staib-Sebler, Psychoonkologin

 

21. Januar 2010

Bronchialkarzinom - Aktuelle Behandlungsmethoden, Vorsorge
Dr. med. B. Sulzbach, Pneumologe Offenbach - Moderation

- Operative Behandlung
Prof. Dr. med. P. Kleine, Uniklinik Frankfurt

- Internistische Behandlung
Dr. med. B. Thöming, CA Klinik II

- Neue Wege zur erfolgreichen Raucherentwöhnung - wie packe ich es an?
H. Bühler, Psychoonkologe

 

Zaubern - eine Illusion, die nur gut tut

Remo Keil, Zauberer Frankfurt  

 

18. Februar 2010

Rehamaßnahme zur Prognoseverbesserung
K. Stock - Moderation

- Aus medizinischer Sicht
Dr. med. T. Meybier, CA Rehaklinik Bellevue Bad Soden-Salmünster

- Aus Psychoonkologischer Sicht
U. Völkel, Psychoonkologin Rehaklinik Bellevue Bad Soden-Salmünster


 

 


 

 

 

 


  andere Termine in Hessen

 

Erfolgreich Nichtraucher/in werden

Das Universitätsklinikum Marburg hilft beim Abschied vom Glimmstängel

 

 

 

 

Evangelische Familien-Bildungsstätte Marburg

"Krebszellen mögen keine Himbeeren"

Schmackhafte Rezepte für`s Immunsystem

 

Mit einer Krebserkrankung verändert sich vieles und auch die Ernährung erhält einen hohen Stellenwert. Sie erhalten praxisnahe und wissenschaftlich fundierte Tipps zur gesunden Ernährung bei einer Krebserkrankung und zur Gesundheitsvorsorge. - Wir distanzieren uns bewusst von sog. "Krebs-Diäten".

 

Di 18.30 - 21.30 Uhr Leitung: Ulrike Hardt

C80-101 vom 22.09. - 06.10. 2 Termine: € 21,-

+ Lebensmittelumlage

Barfüßertor 34, 1. Stock, Kreativraum

 

Evangelische Familien-Bildungsstätte Marburg Barfüßertor 34

35037 Marburg

Tel.:06421/1750814

Fax: 06421/1750810

www.fbs-marburg.de

 

  


Resolution

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der

"Initiative Rauchfreies Hessen"

erklären:

 

Rauchen ist die bedeutendste vermeidbare Todesursache in Deutschland. Die Verringerung des Tabakkonsums ist deshalb eine zentrale gesundheits- und gesellschaftspolitische Aufgabe. Die gesundheitlichen Gefahren, die vom Rauchen ausgehen, sind allgemein bekannt.

Für die Gefahrenabwehr sind folgende Aktionsfelder von besonderer Bedeutung.

Prävention ist oberstes Gebot. Deshalb ist es erforderlich zu verhindern, dass Jugendliche oder gar Kinder mit dem Rauchen beginnen.

Jugendliche und Erwachsene, die sich das Rauchen abgewöhnen wollen, müssen noch stärker unterstützt werden.

Auch Passivrauchen hat mehr negative gesundheitliche Folgen als früher angenommen. Aus dieser Erkenntnis heraus ist ein strikter Nichtraucherschutz erforderlich. Wer nicht "mitrauchen" möchte, soll auch nicht weiter dazu gezwungen oder diskriminiert werden.

Die Kernziele unserer Initiative sind:

· Die gesundheitlichen Gefahren des Rauchens müssen intensiver vermittelt werden.

· Es sind geeignete Maßnahmen einzuleiten, um die Anzahl neuer Raucher weiter zu verringern.

· Raucherinnen und Raucher, die mit dem Rauchen aufhören wollen, brauchen noch mehr Unterstützung.

· Alle Menschen, insbesondere Kinder, Jugendliche und chronisch Kranke in Hessen müssen zukünftig wirksam und frei von Diskriminierung vor Passivrauchen geschützt werden.

· Es sind klare gesetzliche Regelungen in diesem Sinne für alle öffentlichen und öffentlich geförderten Einrichtungen in Hessen einschließlich aller Gastronomiebetriebe erforderlich.

Eine bundeseinheitliche Regelung ist anzustreben. Sollte eine Einigung jedoch nicht zu erzielen sein, erwarten wir eine hessische Lösung.

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Die Teilnehmer bekräftigen ihren Willen, angesichts der aktuellen Aufmerksamkeit für die Probleme des Rauchens, Maßnahmen zur Verringerung des Tabakkonsums und zur Prävention zu ergreifen bzw. diese in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich intensiv voranzubringen.

Frankfurt, den 05.03.2007

 

- AOK - die Gesundheitskasse in Hessen

- Asbestose Selbsthilfegruppe e.V.

- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands, Landesverband Hessen

- BKK Landesverband Hessen

- Deutschen Herzstiftung e.V.

- Deutsche Krebsgesellschaft e.V.

- Diakonisches Werk in Hessen und Nassau, Referat Suchtkrankenhilfe

- DGB Hessen-Thüringen

- Fachklinik für Lungenerkrankungen Immenhausen

- Hessische Krebsgesellschaft e.V.

- Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS) e.V.

- Hessischer Apothekerverband e.V.

- IKK Baden-Württemberg und Hessen

- Kassenärztliche Vereinigung Hessen, Körperschaft des öffentlichen Rechts

- Landesärztekammer Hessen, Körperschaft des öffentlichen Rechts

- LKK Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland

- pädnetz Frankfurt und Umgebung

- Patientenliga Atemwegserkrankungen e.V.

- VdAK/AEV - Landesvertretung Hessen

- Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätklinikums Frankfurt

 

im September 2007 haben sich noch angeschlossen:

- Hessischer-Jugendring e.V.

- Landesverband Hessen-Mittelrhein und Thüringen der gewerblichen Berufsgenossenschaften

- Unfallkasse Hessen

 

 

 


 

 

Schriftliche Anhörung des Sozialpolitischen Ausschusses zum Gesetzentwurf der Fraktion der SPD für ein Hessisches Gesetz zum Schutz vor den Folgen des Passivrauchens sowie der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (Gesundheitsschutzgesetz) - Drucksache 16/6304

 

Die Hessische Krebsgesellschaft hält eine gesetzliche Regelung zum umfassenden Schutz vor Passivrauchen für dringend geboten und begrüßt deshalb das Gesetzgebungsverfahren sehr.

Wir fordern für Hessen wie auch für die gesamte Bundesrepublik Deutschland ein Rauchverbot in allen Bereichen des öffentlichen Lebens, besonders in allen Einrichtungen des Gesundheitswesens, der Kultur, der Unterhaltung, des Sports, des Vereinswesens und des öffentlichen Verkehrs sowie der gesamten Gastronomie, wie es in den meisten europäischen Ländern schon mit großem Erfolg eingeführt worden ist.

Nichtrauchen ist das normale, gesellschaftlich und gesundheitspolitisch erstrebenswerte, Verhalten. Ein Rechtsanspruch auf Tabakgebrauch in der Öffentlichkeit besteht nicht.

 

Seit vielen Jahren ist bekannt, wie von zahlreichen international anerkannten, unabhängigen wissenschaftlichen Institutionen zweifelsfrei belegt, dass Rauchen einschließlich Passivrauchen das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko darstellt. In Deutschland sterben jährlich ca. 150.000 Menschen (über 400 täglich) am Tabakrauch. Allein Passivrauchen ist bundesweit für mindestens 3.300 Todesfälle pro Jahr (mind. 9 pro Tag) verantwortlich (siehe Tabelle im Anhang). Vergleichszahlen für 2005: Verkehrstote: 5361; tödliche Arbeitsunfälle: 863; Drogentote: ca. 1.300. Mindestens ein Viertel aller Krebs-Neuerkrankungen und ein Drittel aller Krebs-Todesfälle ist durch Rauchen bedingt oder zumindest mitbedingt (Abbildung 1 und 2 im Anhang). Raucher sind häufiger krank und sterben durchschnittlich etwa 10 Jahre früher, dadurch gehen in Deutschland 1.6 Mio. Lebensjahre verloren, die Hälfte davon noch im erwerbsfähigen Alter.

Auf Hessen übertragen entspricht dies bei einem Bevölkerungsanteil von 7,4% der BRD ca. 11.000 Todesfälle durch Rauchen und mindestens 250 durch Passivrauchen pro Jahr.

 

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (MAK-Kommission) hat Tabakrauch in Innenräumen und somit Passivrauchen als krebserzeugend, erbgutverändernd und fruchtschädigend in die höchste Gefahrenklasse eingestuft. Einen Schwellenwert, unterhalb dessen keine Gesundheitsgefährdung mehr nachweisbar ist, gibt es nicht.

Vom Passivrauchen sind bundesweit täglich 170.000 Ungeborene, 8.4 Mio. Kinder und Jugendliche, 8.4 Mio. Arbeitnehmer am Arbeitsplatz (davon 1.2 Mio. in der Gastronomie), 28.5 Mio. nichtrauchende Erwachsene in der Freizeit und ca. 15 Mio. chronisch Kranke, die durch Tabakrauch besonders geschädigt werden (Allergiker, Asthmatiker, Lungenemphysem-Patienten u.a.) betroffen.

Solange Rauchen nahezu überall erlaubt ist, wird auch den mehrheitlich aufhörwilligen Rauchern die Tabakentwöhnung besonders schwer gemacht und die Aussicht von Ex-Rauchern auf dauerhafte Abstinenz erheblich gemindert.

 

Deshalb hat der Gesetzgeber die verfassungsrechtliche Verpflichtung, die nichtrauchende Mehrheit der, großenteils minderjährigen, Bevölkerung vor vermeidbaren Gesundheits-gefahren zu schützen und die Gesundheit der Gesamtbevölkerung zu verbessern.

 

 

Im einzelnen fordert die Hessische Krebsgesellschaft ein vollständiges Rauchverbot

- grundsätzlich in allen Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen

(Begründung: Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen dienen der Verbesserung der Gesundheit und gleichzeitig der Gesundheitserziehung. Zudem sind gerade in Krankenhäusern auch akut und chronisch Kranke anzutreffen, die vom Tabakrauch besonders betroffen sind und deshalb diese Einrichtungen aufsuchen müssen)

- in allen öffentlich zugänglichen Gebäuden und Behörden

- an allen Arbeitsstätten

(Begründung: Der § 3a der Arbeitsstättenverordnung im Arbeitsschutzgesetzes hat sich in vielen, entscheidenden Fällen als unwirksam erwiesen. Ein Grenzwert, unterhalb dessen keine Gesundheitsgefährdung zu erwarten wäre, existiert nicht.)

- ausnahmslos im gesamten Hotel- und Gaststättengewerbe

(Begründung: Die Tabakrauchbelastung der Arbeitnehmer/innen und der Bevölkerung in der Gastronomie und in Fernzügen ist so gravierend, dass ein Gewerbebetrieb mit vergleichbarer Schadstoffbelastung geschlossen werden müsste oder die Mitarbeiter Atemschutzmasken tragen müssten. Schwangere und stillende Mütter müssten ein Arbeitsverbot erhalten.

Ein wirksamer Schutz von Nichtrauchern, Angestellten, Kindern, Jugendlichen und chronisch Kranken vor Passivrauchen ist aus physikalischen und lüftungstechnischen Gründen nur durch ein umfassendes Rauchverbot gewährleistet.

Diese Einrichtungen können von Nichtrauchern nicht gemieden werden, ohne dass sie sich vom sozialen Leben selbst ausschließen. Dies gilt ganz besonders für Jugendliche in der Pubertät.

Betroffene mit chronischen Atemwegserkrankungen, die Gastronomiebetriebe wegen ihrer chronischen Erkrankung nicht aufsuchen können, werden bisher stillschweigend diskriminiert.

Sollten doch separate Raucherzimmer mit getrennter Be- und Entlüftung eingerichtet werden, dürfte dort aus Arbeitsschutzgründen nicht bedient werden (wie in Schweden praktiziert). Trotzdem würden auch hier wieder Nichtraucher, die sich in einer Gruppe mit einigen Rauchern befinden, unfreiwillig dem Tabakrauch ausgesetzt oder müssten sich selbst "freiwillig" ausgrenzen.

Durch ein komplettes Rauchverbot werden zugleich gleiche Standortbedingungen für alle Gastronomiebetriebe geschaffen und zu erwartende Rechtsunsicherheiten und "Grauzonen" vermieden.

Ein komplettes Rauchverbot findet eine bessere Akzeptanz als vage Formulierungen mit vielen Ausnahmen (s. Limassol-Empfehlungen, Anhang 4)

- in allen Einrichtungen der Kinder- und Jugendbetreuung und -förderung, des Erziehungs- und Bildungswesens

(Begründung: Der Schutz der Gesundheit von Minderjährigen muss oberste Priorität genießen.

Diese Einrichtungen haben einen allgemeinen Erziehungsauftrag und eine entscheidende Vorbildfunktion)

Jugendgruppen und Jugendfreizeiteinrichtungen sind ein wichtiger Ort für die Sozialisation von Jugendlichen

- in allen Einrichtungen für Kultur, Konferenzen, Unterhaltung und des Sports

(Begründung: für diese Einrichtung gibt es meist keine Alternativen. Rauchverbot galt und gilt für die Olympischen Spiele und Fußball-WM mit Ausnahme der FIFA-WM in Deutschland)

- in allen Einrichtungen des öffentlichen Verkehrs

(Begründung: Es gibt es im allgemeinen keine Alternativen und somit keine freie Wahl)

- in allen Kraftfahrzeugen mit minderjährigen Insassen

(Begründung: Minderjährige sind durch Passivrauch ganz besonders gefährdet, gleichzeitig ist der PKW der kleinste Innenraum, die Schadstoffkonzentration somit am höchsten)

- in Gegenwart von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren

(Begründung: Die besondere Gesundheitsgefährdung von Kindern. Allgemeine Vorbildfunktion von Erwachsenen. 95% der erwachsenen Raucher haben vor dem 18. Lebensjahr, also als Minderjährige, mit dem Rauchen angefangen. Das Suchtpotential von Nikotin ist um ein Vielfaches höher als das von Alkohol und dem von illegalen Drogen gleichzusetzen. Neueste Studien zeigen, dass bei Jugendlichen schon mit den ersten Zigaretten Anzeichen von Abhängigkeit festzustellen sind.)

 

Weitere Maßnahmen:

- Aufklärung der Bevölkerung über die oben genannten Hintergründe des Rauchverbots zur weiteren Förderung der Akzeptanz

- Verstärkung der Warnhinweise auf Tabakverpackungen, z.B. mit aufklärenden Bildern über Folgeerkrankungen und mit Hinweisen auf Ausstiegshilfen

- Flächendeckend adäquate Maßnahmen zur Tabakentwöhnung von aufhörwilligen Rauchern

- Heraufsetzung des Mindestalters für die Abgabe von Tabakprodukten an Jugendliche auf 18 Jahre, Rauchverbot für Minderjährige (s. oben)

- Verkauf von Tabakprodukten nur noch in Spezialgeschäften

(Begründung: Die Alterseinschränkung mit Chipkarten an Automaten kann leicht umgangen werden)

- Entwicklung und Durchführung von Aufklärungsmaßnahmen speziell für besonders gefährdete Teile Bevölkerung, z.B. (werdende) Eltern u.a..

(Begründung: Verhaltensauffälligkeiten wie ADS/Hyperaktivität sind bei Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft mehr als 10 Zigaretten täglich geraucht haben, bis zu 4 mal häufiger. Das Risiko einer Asthma-Neuerkrankung bei Kindern kann vermutlich durch Passivrauchen erhöht werden. Einstiegsalter und Raucherquote bei Jugendlichen verhält sich umgekehrt proportional zum Bildungsniveau)

- Einrichtung eines wirksamen Maßnahmenkatalogs mit Kontrollen und Sanktionen zur effektiven Durchsetzung des Verbots

 

Mit freundlichen Grüßen

Marburg, 19.02.2007

 

 

Dr. med. Klaus Peter Schalk Dr. med Maria Vogelmeier

Vorstandsvorsitzender Präventionsbeauftragte

 

 

Anlagen

 

Tabelle 1:

Durch Passivrauch bedingte krankheitsspezifische Sterblichkeit pro Jahr in Deutschland

 

Todesursache Frauen Männer Summe Summe*) Rel. Risiko

Lungenkrebs 212 51 263 (263) 1,25

Koronare Herzerkrankung 1.423 725 2.148 (2.597) 1,25

Schlaganfall 585 189 774 (882) 1,18

Emphysem ("Raucherlunge") 48 8 56 (62) 1,25

Plötzlicher Kindstod 25 35 60 (60) 2,08

Gesamt 2.317 1.003 3.301 (3.864)

*) Passivrauch-Exposition zu Hause und/oder am Arbeitsplatz, alle anderen: Exposition nur zu Hause

Tabelle modifiziert nach Prof. U. Keil, Universität Münster

 

 

Abbildung 1: Prozentualer Anteil ausgewählter Krebs-Neuerkrankungen 2002 (geschätzte Zahlen)

 

Abbildung 2: Prozentualer Anteil ausgewählter Krebs-Sterbefälle 2002 (geschätzte Zahlen)

 


Umsetzung des Disease-Management-Programms Brustkrebs (DMP-Brustkrebs) in Hessen

Die Hessische Krebsgesellschaft e. V. nimmt dazu erstmals offiziell Stellung:

Seit einem Jahr garantieren die in den 7 hessischen Brust-Kompetenz-Zentren zusammengeschlosse-nen Kliniken mit ihren kooperierenden niedergelassenen Gynäkologen eine leitliniengestützte, quali-tätsgesicherte, koodinierte und dem Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechende Behandlung.

Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, wird empfohlen, sich für die Behandlung in einem hessischen Brust-Kompetenz-Zentrum und damit die Einschreibung in das DMP-Brustkrebs zu entscheiden.

Zugleich empfiehlt die hessische Krebsgesellschaft e. V. allen in Hessen tätigen Ärzten im Falle einer Brustkrebserkrankung den Patientinnen anzuraten, sich in das von hessischen Krankenhäusern, niedergelassenen Gynäkologen und Krankenkassen vereinbarte DMP-Brustkrebs einzuschreiben.

Die gezielte Förderung von strukturierten Behandlungsprogrammen bei chronischen Krankheiten (DMP) hat der Gesetzgeber seit dem Jahr 2002 ermöglicht. Damit wurden Anreize für die Kranken-kassen gesetzt, sich um eine gezielte Verbesserung der Versorgung ihrer chronisch Kranken zu bemü-hen. Zugleich wurde Krankenhäusern, die sich zu Kompetenz-Zentren zusammenschließen wollten, die Möglichkeiten eröffnet, mit den Krankenkassen DMP-Verträge zu schließen.

In Hessen haben die in der Brustkrebsbehandlung versierten Krankenhäuser frühzeitig und erfolgreich mit den Krankenkassen Verträge zur Umsetzung des DMP-Brustkrebs ausgehandelt.

Beginnend mit den Standorten Wiesbaden und Marburg haben sich seit dem Juli 2003 regionale Brust-Kompetenz-Zentren gebildet. Bis zum Jahresende folgten die Standorte Frankfurt, Fulda, Bad Hers-feld, Hanau, Mittelhessen und Offenbach. Auf Grund der engen Kooperation mit weiteren Kranken-häusern in der jeweiligen Region wird das DMP-Bruskrebs in Hessen flächendeckend angeboten.

Beim Brustkrebs handelt es sich nicht um eine chronische Erkrankung im üblichen Sinne, für die DMP in erster Linie entwickelt werden. Allerdings besteht die Erwartung, durch ein DMP in Deutschland die Sterblichkeitsrate bei Brustkrebs deutlich senken zu können. Deshalb hat im Jahre 2002 der von Ärzten und Krankenkassen gleichermaßen besetzte Koordinierungs-Ausschuss auf Bundesebene den an Brustkrebs erkrankten Frauen die Verbesserung der Versorgung durch DMP ermöglichen wollen.

 

Marburg im August 2004, Der Vorstand der Hessischen Krebsgesellschaft e. V.

 

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